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Sep
09

Inuvik und die Fahrt in den Süden

26. + 27.08. Inuvik


Ein Schild mit freundlicher Aufschrift empfing uns in Inuvik und wir wussten wir waren angekommen. Inuvik ist trotz seinen nur knapp 3500 Einwohnern die drittgrößte Stadt der Northwest Territories. Ein Blick in den Lonely Planet (LP) verriet uns alle Besonderheiten. „Die Stadt wurde 1955 als Verwaltungszentrum der Regierung aus dem Boden gestampft. Mit den in allen Regenbogenfarben leuchtenden Häuserreihen und dem Labyrinth aus oberirdisch verlegten Heizungsrohren sieht die Stadt aber immer noch wie eine riesige Baustelle aus.“ Klingt abgefahren und so sieht es auch aus, wirklich sehenswert. Um weitere sehenswerte Orte in Inuvik zu finden werfen wir einen Blick in den LP, in ihm gibt es dafür eine extra Rubrik.

„Wahrzeichen der Stadt ist die Kirche Our Lady of Victory, die auch Iglu-Kirche genannt wird, weil sie tatsächlich wie ein Schneehaus mit leuchtend weißer Kuppel aussieht.“ Die Kirche schauten wir uns natürlich an und sie sieht wirklich interessant aus, nur leider war sie verschlossen und das Innere blieb uns verborgen. Als zweite Besonderheit der Stadt gilt das Gewächshaus des Nordens. Hier oben, wo das Land 9 Monate gefroren ist, bauen sie Gemüse usw. an. Doch leider war auch dieses Haus verschlossen. Im Groben und Ganzen war dies auch schon alles und der LP schreibt: „Wenn man sich alles Sehenswerte angeschaut hat, verlässt man die Stadt am besten.“ Stopp, stopp, stopp, wir sind 736 km Schotterpiste gefahren um diese Stadt zu erleben und hier ist nichts los? Wir dachten, wir gehen jetzt erst einmal was Essen und dann wollen wir das Nachtleben kennen lernen. LP schreibt zum Thema Essen & Ausgehen: „In den letzten Jahren ist das kulinarische Angebot in Inuvik immer schlechter geworden. Deshalb sollten sich Besucher am besten selbst versorgen.“ An diesem besonderen Ort ist eben alles ein bisschen anders wie wir es gewohnt sind. Wir begeben uns dennoch auf die Suche und finden ein annehmbares Restaurante, indem wir uns zwei Burger gönnen und diese waren sehr lecker! Anschließend besuchen wir „Shivers“, ein einfacher Pub mit teurem Bier. Hier lernen wir einen ausgewanderten Österreicher (Chris) kennen und wir unterhalten uns lange mit ihm und verabredeten uns für den nächsten Abend in einer besonderen Kneipe in der sich die Einheimischen treffen, dem „Mad Trapper“. Nachdem wir uns tagsüber, bei Sonnenschein und warmen 15°C, den Hafen und neben Downtown noch weitere Stadtteile angeschaut hatten und unsere Linsen mit Würstchen gegessen hatten, gingen wir zu Chris und weiter zum „Mad Trapper“. Hier traf sich Jung und Alt, Einheimische und Zugezogene bzw. Saisonarbeiter und genau zwei Touristen, das waren wir. Die live Musik war eine gute Unterhaltung und es war noch nie so spannend Menschen zu beobachten. Dennoch mussten wir uns irgendwann mal wieder von diesem Ort verabschieden und so machten wir uns am nächsten Tag wieder auf den Dempster Highway in Richtung Süden auf.

28.-30.08. zurück in den Süden

Auch wenn der Urlaub langsam zu Ende geht, haben wir noch einiges vor und uns fallen immer wieder neue Projekte ein. Doch wir haben einen festen Termin auf unserer Reise. Dies ist die Fährfahrt in den Süden von Skagway nach Bellingham am 07.09. Dies bedeutet, wir müssen unsere Projekte zwischen Inuvik und Skagway planen. 1. Plan war den Chillkoot Trail zu wandern (die Goldgräber sind 1885 vom Meer über die Berge zum Yukon gewandert. Diesen Trail kann man heute nachwandern.), der 2. Plan war eine Kajaktour auf dem Yukon von Whitehorse nach Carmarcks. Für ein Projekt, so hatten wir die Zeit überschlagen, währe noch Platz. Dies bedeutete aber, wir müssen in 2 Tagen den Dempster Highway in den Süden fahren.
Am 28.09. starteten wir in der Früh und freuten uns, dass der Highway etwas getrocknet war und wir mit rund 60-80km/h fahren konnten. Bis zur ersten Fähre über den Mackenzie River lagen wir sehr gut in der Zeit. Doch hier mussten wir eine Std. warten bis die Fähre aufgetankt wurde. Warum sie dies mittags um 13 Uhr machen mussten, verstanden wir nicht. Wir nutzten die Zeit und aßen zu Mittag. Weiter ging die Fahrt zum zweiten Fluss, dem Peel River. Hier bekamen wir schlechte Nachrichten: Die Fähre fährt nicht wegen Hochwasser. Frühestens morgen Nachmittag, am 29.09. kann sie wieder in Betrieb gehen, hieß es. Doch auch am nächsten Tag ist das Wasser im Fluss nicht gefallen und somit fuhr die Fähre immer noch nicht. Hier oben im Norden Kanadas regelt eben oftmals die Natur noch den Verkehr. So zum Beispiel ist auch der Highway in der Übergangszeit, ca. 2 Monate, bis das Eis in den Flüssen dick genug ist und die Eisstraße freigegeben werden kann, geschlossen. Somit hingen wir zwei Tage am langweiligsten Stück des Dempster Highways, zwischen zwei Flüssen und einer großen Moorlandschaft fest. Doch der 30.09. fing schon früh am Morgen sehr gut an. 2 Uhr nachts krochen wir aus den Schlafsäcken, da der Himmel mit Nordlichtern bedeckt war. Endlich bekamen wir sie zu Gesicht und vor die Linse. Es war ein unglaubliches Erlebnis, vor allem da die Wölfe in der Ferne heulten. Nach 30 Minuten zogen allerdings Wolken auf und wir konnten ins Bett gehen und ausschlafen. Als wir gegen Mittag an der Fähre waren lief sie wieder. Sie hatten eine neue Rampe aufgeschüttet und so konnten wir, zwar mit großen Problemen, da der Camper im weichen Untergrund einsank und wir nur mit vier durchdrehenden Hinterrädern auf die Fähre kamen, ans andere Ufer fahren. Unser Plan war durch die zwei Wartetage hinfällig und beide Projekte mussten auf den nächsten Kanada Urlaub verschoben werden. Doch als ob zwei Highlights an einem Tag nicht ausreichen würden, trottete noch ein Grizzlybär dicht neben der Straße zu einem Rentierkadaver. Per Zufall standen wir mit unserem Camper ca. 10 m neben dem Kadaver und ein Fotogewitter ging über den Bären hinweg. Als wir am nächsten Tag aufstanden, hatte sich die Natur schon wieder verändert. Erst verfärbte sie sich, in den letzten Wochen durch den Indiansummer, bunt und nun war die Tundra weiß. In der Nacht ging ein Schneesturm über uns hinweg, der uns 4°C im Camper einbrachte. So schnell kann es hier im Norden gehen, dass der Übergang vom Sommer zum Winter auf einen Schlag kommt.

Für uns war dies ein Zeichen schnellstmöglich in den Süden zu fahren und den Dempster Highway hinter uns zu lassen.

Ein kurzes Resümee:

  • Wir erlebten eine unglaublich weite, ursprüngliche und einzigartige Natur entlang des Highways und vor allem im Tombstone Territorial Park.
  • Die Wandermöglichkeiten im Tombstone Territorial Park waren ebenfalls einzigartig in Kanada und vor allem durch den Indiansummer etwas ganz besonderes.
  • Entlang des Highways gibt es mit etwas Glück regelmäßig Möglichkeiten Tiere zu beobachten. Wir sahen: Grizzlybären, Elche, Rentiere, Murmeltiere, Hörnchen und einen Weißkopfseeadler.
  • Auf dem Weg in den Norden und zurück in den Süden, konnten wir immer an den schönsten Stellen mit herrlicher Aussicht übernachten. Wir sahen entlang des Highways kein einziges „No overnight parking“-Schild.
  • Und das Beste war, wir haben es geschafft die 1472 km lange Schotterpiste, gegen alle Ankündigungen, ohne Reifenpanne oder ähnlich schwerwiegenden Problemen zu fahren.
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3 Responses to “Inuvik und die Fahrt in den Süden”


  1. 1 Jörg
    3. September 2009 um 21:32

    Hey Milan + Marius,
    ich fühle mit euch, die Zeit wird eng, die Natur immer großartiger und dieser verdammte Flieger am 22. wartet auch nicht … würde mich gerne da draußen vergraben, Kathrin hat das ja mit dem Songzitat treffend umschrieben – raus hier aus diesem deutschen Pflichtengetümmel! Genießt die wenigen letzten Tage in vollen Zügen – bis bald.
    Jörg

  2. 2 Fabian
    11. September 2009 um 09:18

    Hallo Ihr zwei,

    der Trip über den Dempster klingt nach einem würdigen letzten großen Abenteuer auf Eurer insgesammt sehr spannenden Reise. Auf die Fotos bin ich schon mehr als gespannt 🙂

    Viele Grüße,
    Fabian

  3. 15. Oktober 2010 um 07:49

    Hallo zusammen,

    vielen Dank für die Fotos und den Bericht! Das hört sich wirklich nach einer gelungenen Reise an!


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