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Neues Projekt: Dempster Highway – 736 km Schotterpiste in den Norden

„Die Strecke, eine der größten Highwayabenteuer Nordamerikas…“ So fängt die Beschreibung in unserem Reiseführer Lonely Planet über den Dempster Highway an. Schon jetzt Grund genug für uns ihn zu fahren. „ …ist 736km lang – jede Menge Nervenkitzel inklusive. Sie windet sich durch kahle Gebirgszüge und smaragdgrüne Täler, quer durch riesige Tundragebiete und am Tombstone Territorial Park vorbei.“ Bis jetzt klang das alles noch sehr angenehm. Aber weiter im Text: „Der Highway ist fast auf seiner gesamten Länge geschottert und genießt mit vollem Recht den Ruf, eher grob zu Fahrzeugen zu sein.“ Wir haben ja ein Mietauto, immerhin mit einem einigermaßen geländetauglichen Pickupunterbau, von daher dürfte es kein Problem sein, hofften wir. „Man sollte zusätzlich Benzin und Reifen dabeihaben und damit rechnen sie zu gebrauchen.“ Das Benzin reicht auf jeden Fall bis zur nächsten Tankstelle nur die Textstelle mit dem Ersatzrad gab uns zu bedenken. Wir haben 1. kein Ersatzrad und 2. kein Werkzeug, um uns bei einer möglichen Panne zu helfen. Doch ein kurzes Gespräch mit unserem Vermieter half uns weiter. Er sagte: „dann lernt ihr eben Menschen kennen.“ Für uns war alles klar und geklärt und wir konnten uns, nach einem kurzen Tankstopp, am 19.08. auf die legendäre Straße begeben.

19.08. die ersten Kilometer

Wir fuhren die ersten 70 km bis in den Tombstone Territorial Park. Bis jetzt hielt der Highway sein Versprechen: grobe, raue Straße mit vielen Schlaglöchern, auf der wir im Schnitt mit 30-60km/h vorankamen. Doch die Landschaft ist es, die uns immer weiter in den Norden zog, denn hier oben beginnt langsam der Indiansummer und die Natur färbt sich in die extremsten Farben um. Nicht nur die Natur färbt sich um, auch unser Camper. Vorher noch weiß mit bunten Bildern wurde er schnell graubraun und hat einige Rallyestreifen bekommen. Auf dem Weg in den Park hielten wir zwischendurch immer wieder an, um in den kleinen Bächen und Flüssen nach Gold zu suchen. Doch leider ohne Erfolg.

20.-23.08. Wanderung im Tombstone Territorial Park



Die nächsten 4 Tage wollten wir im Backcountry wandern gehen. Mit vollen Rucksäcken wanderten wir am ersten Tag 11 km und ca. 900 Höhenmeter, durch ein Tal zum Grizzly Lake, einem kleinen Bergsee. Nach 5,5 Std. kamen wir erschöpft an, wurden aber von der überwältigenden Schönheit des Sees und seiner umliegenden Landschaft entschädigt. Hier schlugen wir für die folgenden Tage unser Zelt auf und bereiten uns auf zwei Tageswanderungen vor.  Zum Grizzly Lake führte noch ein ausgeschilderter Trail, für die nächsten Wanderziele hingegen müssen/können/dürfen wir unseren eigenen Weg durch die Berge und Täler suchen.

Unser erster Dayhike führte uns zu einem wunderschönen Bergsee namens Divide Lake in einem benachbarten Tal. Hierzu mussten wir morgens die Pumpe so richtig in Schwung bringen und erstmal 400 Höhenmeter aufsteigen. Die Anstrengung wurde aber mit einem herrlichen Ausblick belohnt. Der Abstieg ins benachbarte Tal hingegen war sehr einfach. „Boot skiing“ nennen es die Kanadier, wenn sie beim Absteigen einfach über den feinen Kies ins Tal rutschen. Für eine Stunde Aufstieg benötigten wir nur 5 Minuten um abzusteigen, so waren wir schon nach 3 Std. an unserem Ziel dem Divide Lake angekommen.

Am folgenden Tag ließen wir es etwas lockerer angehen und stiegen nur auf einen Bergpass und genossen einen weiten Ausblick auf zwei kleinere Bergseen und das Bergmassiv des Tombstone Mountain. Auf dem Pass angekommen bauten wir aus Steinplatten einen 1,70m großen Steinhaufen, der auch aus dem Tal zu sehen war. Nach dieser künstlerischen Einlage waren wir fit genug um am 4. Tag den Heimweg anzutreten. Wir liefen denselben Weg zurück den wir gekommen waren, schafften es aber in 4,5 Std. Unterwegs auf unseren Wanderungen sahen wir zwar keine Bären, dafür aber viele unterschiedliche Hörnchen und die hier lebenden, im Vergleich zu Europa sehr großen, Murmeltiere.

Durch die kalten Nächte mit teilweise 0°C färbte sich die Landschaft immer herbstlicher und wir freuten uns darüber genau zu richtigen Zeit hier zu sein.

24.-26.08. Auf nach Inuvik

Zurück in unserem Zuhause konnte es am nächsten Tag auf dem Dempster Highway weiter gehen. Gleich zu Beginn kamen wir bei dem Two Moose Lake vorbei, unserem ersten Highlight des Tages. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir tatsächlich in dem Wasser einen Elch Wasserpflanzen fressen sahen. Immer wieder tauchte er unter und kam mit triefendem Gras im Maul zurück. Eine ganze Weile konnten wir ihn beobachten und natürlich auch fotografieren.
Auf der Hälfte des Weges in den Norden nach Inuvik sahen wir plötzlich Häuser, eine Tankstelle mit Werkstatt und ein kl. Restaurante. Mitten in der einsamen Natur steht die Oase Eagle Plain. Wir tankten, im Verhältnis für teures Geld (1,35$/l) und konnten unglaublicherweise ein W-Lan finden um unsere Mails abzurufen.
Die Landschaft am Highway ist sehr unterschiedlich. Am Anfang führte die Straße über Berge und durch schmale Schluchten und wurde von Wald, Seen und großen Hochebenen begleitet. Gegen Ende hin läuft das Land in der weit auslandenden Tundra mit wenig Vegetation und weiten Moorgebieten aus. Auf einer der großen Hochebenen entdeckten wir, in der rötlichen Gras- und Buschlandschaft, einen großen, kräftigen Grizzlybären wie er gerade ein Rentier fraß. Mit uns freuten sich auch zwei einheimische Jugendliche über den Anblick. Sie gingen aber mit zwei Gewehren bis auf ca. 20m zum Grizzlybären und wollten ihn erst vom Rentier verscheuchen, bevor er sie aus seiner Nähe „verscheuchte“.


Eine für uns etwas ungewohnte Freizeitbeschäftigung.  Ein Bär in dieser Umgebung ist meistens ein Zeichen dafür, dass die Rentierherde nicht weit entfernt ist. So war es auch und wir sahen einige schöne Tiere auf unserem weiteren Weg.

Der Dempster Highway ist die einzige Straße Kanadas, die den Polarkreis überquert. Nach rund 400 km kamen wir an diesem besonderen Breitengrad (66° 33´ North) an und ich (Milan) überquerte ihn das erste Mal in meinem Leben.

Für uns die zweite besondere Marke auf dem Highway war die Grenze zwischen dem Yukon- und den Northwest Territorien. Nun hatten wir es geschafft mit Alberta und British Columbia zusammen vier große Bundesstaaten Kanadas zu besuchen. Leider gab es zur gleichen Zeit einen Wetterumschwung und durch stark aufkommenden Nebel und Regen war die Sicht gleich null. Auch auf der Straße wurde es immer rutschiger, schlammiger und dadurch dreckiger. Durch einen Schlitz in der Tür kam der Matsch direkt ins Wohnmobilinnere und wir sauten somit das Auto außen wie innen ein.

In dem letzten Drittel des Highways mussten wir 2 Flüsse queren. Der Staat baut hier im Norden allerdings keine Brücken, da sie im Winter durch das Eis jedes Mal beschädigt würden, sondern stellt dafür kostenlose Fähren für die 3 eisfreien Monate zu Verfügung. In den kalten Monaten fährt man einfach übers Eis. Die Fähren rammen sich einfach aufs Land und lassen eine Rampe herunter, sodass man hinauffahren kann, wenn man etwas geländegängig ist. Meistens geht dies auch, nur das erste Mal sanken wir vor der Fähre im aufgeweichten Untergrund ein und hatten Schwierigkeiten auf die Fähre zu kommen. Doch der Kapitän half uns, indem er die Rampe tief in den Boden drückte und somit den Winkel verkleinerte und mit 4 durchdrehenden Hinterrädern arbeiteten wir uns Stück für Stück auf die Fähre.

Die letzten Meter nach Inuvik waren nun auch kein Problem mehr und wir Greenhorns haben es tatsächlich ohne eine Reifenpanne über die Schotterpiste, durch wunderschöne Natur, nach Inuvik geschafft.

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1 Response to “Neues Projekt: Dempster Highway – 736 km Schotterpiste in den Norden”


  1. 1 Fabian
    11. September 2009 um 09:08

    Hi Ihr Künstler,

    jetzt habe ich endlich eine Idee, woher diese Steinhaufen in den Bergen kommen ;).

    Viele Grüße,

    Fabian


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