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Aug
09

3. Teil – Yukon Tour – Spannung bis zum Schluss

Nachdem wir in Carmacks zwei Tage den Yukon-River-Quest erlebt hatten und unsere Essensvorräte aufgefrischt hatten, starteten wir am 27.06 zu unserem letzten großen Abschnitt der Kanutour nach Dawson City.
Als erste Tagesetappe galt es die legendären Five-Finger-Rapids zu überwinden. An diesen Stromschnellen teilen mächtige Basaltblöcke den Yukon in mehrere schnell fließende Kanäle. Vor allem in der Goldgräberzeit waren die Rapids bei jedem Flusskapitän gefürchtet und noch heute sind sie nur an einer bestimmten Stelle relativ gefahrlos zu befahren.
Obwohl wir, wie schon beschrieben, am Vortag die Five-Finger-Rapids besichtigen konnten fuhren wir die ersten 20 Kilometer bis oberhalb der Stromschnellen mit einem gespannten und etwas mulmigen Gefühl. Direkt oberhalb der Rapids machten wir am Ufer fest, kontrollierten nochmals unsere Ausrüstung und gingen im Kopf unsere, am Vortag ausgedachte Linie, die durch den rechten Kanal der Five-Fingers führte, durch.
Mit wenigen Paddelschlägen waren wir im rechten Kanal der Rapids und mit Hilfe eines geschickten Manövers konnten wir den am Ende des Kanals stehenden fast über einen Meter hohen Wellen ausweichen. Jetzt war es geschafft!! Voll gepumpt mit Adrenalin brüllten wir unsere Freude heraus.
Wir hatten eine bessere Linie, wie alle von unser am Vortag beobachteten Yukon-River-Quest Teilnehmer gefahren und hatten kein Wasser ins Boot bekommen.

Nach wenigen Kilometern bauten wir unser Nachtlager auf und konnten an einem kleinen Zufluss des Yukons einen 65 cm langen Hecht fangen. Mit einem üppigen Fischmahl und Lagerfeuer klang unser aufregender Tag aus.

Die nächsten Tage zeigte sich der Yukon sehr abwechslungsreich. War er einerseits eng und schnell fließend, so zeigte er sich oft nach der nächsten Flussbiegung breit, ausladend und gemächlich, zwischen vielen Inseln hindurch fließend.
Nach zwei Tagen lagerten wir unterhalb eines imposanten Berges, dem Minto Bluff. Da wir aus der Ferne schon die dort wild lebenden Dallschafe als weiße Punkte im Felsen erkennen konnten, starteten wir spontan am Abend noch eine mehrstündige Fotosafari. Hierbei kraxelten wir den steinigen und steilen Berg hinauf und konnten eine Gruppe von über 40 Dallschafen beobachten und einen wunderbaren Ausblick über den Yukon genießen.

Am 30.06 erreichten wir den historischen Handelsposten Fort Selkirk am Zusammenfluss des Pelly Rivers und des Yukons. An diesem, nur mit dem Boot erreichbaren Freilichtmuseum bauten wir für zwei Tage unser Lager auf.
Fort Selkirk wurde bereits vor über 4.000 Jahren als Siedlung von Indianern genutzt. Im Jahre 1848 wurde von der Hudson Bay Company ein Handelsposten errichtet, der in den folgenden Jahren mit Wohnhäusern, einer Kirche, Werkstätten, einer Schule, Hotels und einem Einkaufsladen erweitert wurde. Heute wird der Ort mit Hilfe der Nachkommen der Indianer (genannt „First Nations“), in liebevoller Arbeit nach historischem Vorbild wieder hergerichtet.
Wir genossen den Rundgang in über 20 historischen Gebäuden und fühlten uns ein bisschen wie in alten Zeiten. Zu erwähnen ist, dass die Besichtigung sowie die Nutzung des angeschlossenen Campingplatzes, dank der Gemeinde der First Nations, kostenlos war.
(Infos über Fort Selkirk in Deutsch : http://www.virtualmuseum.ca/Exhibitions/FortSelkirk/deutsche/index.html)

Auf dem Campingplatz trafen wir unterschiedliche Reisende und so konnten wir nach vielen Tagen in „Zweisamkeit“ interessante Menschen kennen lernen. Das Spektrum an Menschen am Yukon reicht hierbei vom pensionierten deutschen Geologen, über einen alten amerikanischen Trapper mit seinem Freund Steve (angereist mit motorisiertem Megakanu), bis zu einer kanadischen Reisegruppe, sowie einem Lehrer (Jürgen) im Sabbatjahr. ,
Mit dem Geologen Matthias und dem Lehrer Jürgen freundeten wir uns näher an und während unserer weiteren Flussreise teilten wir ab und zu unseren Nachtlagerplatz mit Ihnen.
In den Tagen nach Fort Selkirk paddelten wir durch wunderbare Natur und übernachteten meist auf kleineren Inseln im Fluss. Die Highlights waren die Sichtung von mehren Schwarzbären und einem Grizzly an den Hängen des Flusstales, sowie unser erstes, auf dem Feuer, selbstgebackene Brot.
Am 05.07, unserem 27. Tag auf dem Fluss, erreichten wir die imposante Mündung des White Rivers in den Yukon.
Der breite, durch Gletschersedimente und alte Vulkanasche weiß gefärbte White River fließt hier in einem mächtigen Delta in den Yukon.

Auf einer kleinen Sandbank direkt im Delta begannen wir mit dem Aufbau unseres Nachlagers. Da wir an diesem Tag früh ankamen, bauten wir uns aus Schwemmholz und unserem Tarp einen gemütlichen Unterstand mit einer gemütlichen Sitzbank.
Am Abend brachen wir mit dem Boot noch auf eine kleine Wildtiersafari in einen kleinen Nebenarm des Yukons auf und konnten einen Biber beim Fressen und Plantschen beobachten.
Später saßen wir noch lange am Lagerfeuer unter unserem Unterstand. Als wir schon fast auf dem Weg ins Zelt waren schreckte uns ein platschendes Geräusch auf und wir sahen in einiger Entfernung etwas großes Braunes durch das flache Wasser des Flussdeltas auf uns zu rennen. Nach einem kurzen Schreck konnten wir es als einen Elchbullen identifizieren der etwas verirrt am Beginn unserer Sandbank stehen blieb und sich wohl über unser Zelt und Unterstand in seinem Revier wunderte. Faszinierend beobachteten wir den Elch wie er in einem großen Bogen um unser Lager, über die Sandbänke und durch einen Meter tiefes Wasser rannte und anschließend elegant einen stark strömenden Arm des White Rivers durchschwamm.

Am nächsten Morgen kreuzten wir auf die andere Seite des Yukons und stiegen die steilen Klippen des Flussbettes hoch, um einen Blick über das Delta des White Rivers zu bekommen. Bei dieser Gelegenheit suchten wir an einigen Stellen am Berg nach Gold. Wir fanden zwar ein paar schöne goldenfarbige Splitter aber es war leider kein richtiges Gold sondern nur Narrengold (golden glänzendes Gestein).

Die kommende Nacht verbrachten wir auf einer kleinen Sandbank. Besonders war hierbei, dass wir vom Lager aus neben einem Schwarzbär am anderen Flussufer noch einen Elch, mehrere Biber und ein Stachelschwein sahen.

Am 07.07, unserem 29. Reisetag, paddelten wir bei mittelprächtigem Wetter im Hauptstrom des inzwischen imposant breiten Yukons, einem kleinen Highlight entgegen. Gegen Mittag überschritten wir die für uns irgendwie magische Marke von 1000 auf dem Fluss gefahrenen Kilometern.

Am Abend erreichten wir unser letztes Nachtlager am Galona Creek. Hier steht eine kleine Blockhaussiedlung die bis letztes Jahr für Touristen genutzt wurde. Heute ist der Platz unbewohnt und steht zum Verkauf. Glücklicherweise ist aber trotzdem eine kleine gemütliche Hütte für Kanureisende geöffnet und so konnten wir ohne Zeltaufbau in einem Doppelbett unsere Schlafsäcke ausrollen.
Den nächsten Tag nutzten wir zum Ausruhen und für eine kleinere Wanderung. Gegen Abend trafen zwei weitere Kanugruppen, ebenfalls Deutsche im Camp ein und wir verbrachten einen gesellschaftlichen Abend mit reichlich Essen und vielen faszinierenden Flussgeschichten.

Am 09.07 packten wir routiniert, aber zum letzten Mal, all unsere Sachen ins Kanu, stießen vom Ufer ab und waren auf unserer letzten Tagesetappe.
Auf den letzten 40 Kilometern unserer Kanutour genossen wir ein letztes Mal den Fluss und die Natur.

Gegen Mittag erreichten wir unser endgültiges Ziel Dawson City am Zusammenfluss des Yukons mit dem Klondike River.

Hiermit endete unser einmonatiges Kanuabendteuer. Wir paddelten über den Rose River, den Nisutlin River, befuhren den Teslin Lake und Teslin River und paddelten abschließend über 500 km auf dem Yukon.
Insgesamt legten wir in 31 Tagen eine Strecke von 1060 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,2 km/h zurück.

Für uns beide war es ein unglaubliches Erlebnis und die Erfüllung eines Traumes.

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3 Responses to “3. Teil – Yukon Tour – Spannung bis zum Schluss”


  1. 1 Ute und Walter
    4. August 2009 um 11:55

    Lieber Milan, lieber Marius,

    mann-o-mann – Eure Abenteuer lesen sich spannender als der spannendste Krimi! Gänsehaut pur!
    Da bekommen wir Daheimgebliebenen regelrechtes Fernweh nach der weiten Welt….
    Wir sind aber auch sehr froh, dass Ihr diese große Tour sehr gut und ohne wirklich heftige Probleme meistern konntet, ja – dass Ihr einen guten Schutzengel bei Euch habt, gesund und munter seid und alle Erlebnisse genießen könnt… weiter so, wir denken oft an Euch (habt Ihr nicht öfters mal Schluckauf?)!

    Viele Grüße aus dem Schwabeländle!

    Ute & Walter

  2. 2 Fabian
    4. August 2009 um 13:50

    Hey ihr zwei,

    Euer Abenteuer klingt super. Ich bin auf Eure Fotos gespannt… ein paar besonders coole Bilder von euch kann man hier ja schon bestaunen, aber ich vermute da gibt es noch viel mehr 🙂

    Viele Grüße aus der italienischen Schweiz – ich bin am WE bei ca. +20°C im T-Shirt durch knietiefen Gletscher-Schnee gelaufen. Das war ein skuriles Gefühl… Frostbeulen am Fuß und Schweißausbrüche um den Kopf: im Durchschnitt war mir jedenfalls weder zu warm noch zu kalt 🙂

    Fabian

  3. 3 Fee
    4. August 2009 um 19:58

    Hallo mein Brüderlein, Hey Marius…

    Also ich glaube für mich wäre das alles zu aufregend. Schon beim lesen spührt man ja die Spannung eurer Reise. Aber eigentlich bin sehr neidisch. Die Fotos sind toll und man wünscht sich direkt da mit dem Biber zu schwimmen.
    Am liebsten würde ich natürlich auch einen Bären sehen.

    Aber ich habe letztens wirklich einen gesehen. Ich war mit Patrick bei seinen Eltern und bei denen im Städtle ist ein Bär in einem Auto an uns vorbeigefahren. In einem Jeep und der hat es sich im Fahrtwind gut gehen lassen und hat seine Pfoten auf die Windschutzscheibe gestellt.
    Das war mein Bärenabendteuer von letzter Woche….

    Nächste Woche mache ich Urlaub am Bodensee…

    Ich schicke euch ganz liebe Grüße,
    ich denke oft an euch!

    Passt gut auf euch auf!

    Fee


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