01
Aug
09

2. Teil Yukontour – Goldgräber- und aktuelle Zeiten innerhalb 200km

Am 17. Juni, mittags, begann der zweite größere Abschnitt unserer Paddeltour. Nach Tagen auf dem Teslin Lake waren wir froh endlich wieder die Flussströmung des Teslin Rivers unter unserem Kanu zu spüren. Nach einigen Kilometern bauten wir bereits unser Lager auf, da wir von Doug (Vermieter aus Teslin) erfahren hatten, dass es im Fluss gute Angelmöglichkeiten geben soll.

Nach dem schnellen Aufbau unserer Nachtunterkunft packten wir uns und unsere Angelausrüstung ins Kanu und nach einigen Metern fanden wir eine viel versprechende Flussstelle mit einem großen Wasserstrudel, die hier auch Eddy genannt werden. Innerhalb von kurzer Zeit fingen wir ausreichend Polaräschen für unser Abendessen. Endlich hatte es mit dem Fische fangen geklappt.


Die nächsten Tage genossen wir die herrliche Natur und Landschaft des Teslin Rivers. Eine Besonderheit des 200 km langen Flusses, sind die beeindruckenden und bis zu 50 Meter hohen Hoodoos. Dies sind sandige, steil abfallende Hänge entlang des Flusses, die entstehen wenn sich das Wasser tief in sandigen Untergrund eingräbt.

Entlang des Flusses fanden wir jeden Abend hervorragende Campplätze und auch das Petriglück war mit uns und wir konnten einige Äschen auf dem Feuer braten.

Am 21.06 erreichten wir am 13. Tag unserer Reise den Zusammenfluss des inzwischen braunen Teslin Rivers mit dem blauen Yukon. An dieser, durch das Zusammentreffen verschiedener Wasserfarben sehr beeindruckenden Flussstelle, liegt die historischen Siedlung Hootalinqua, an der wir unser Camp aufschlugen. Hier boten sich neben der Besichtigung einiger historischer und gut erhaltener Hütten, auch hervorragende Angelmöglichkeiten, welche uns mit Fisch für den Abend und die nächste Mittagpause versorgte.

Hootalinqua ist ein, für das Yukon Gebiet, typischer historischer Ort. Die im Jahre 1890 aus einer alten Indianersiedlung entstandene Siedlung, wuchs unter dem Einfluss des Goldrausches rasant und schon 1896 lebten dort über hundert Goldgräber. Es entstand eine Post-, Telegrafen- und Polizeistation und zahlreiche Versorgungseinrichtungen für hungrige und müde Goldgräber. Schon im Jahre 1931, der Goldrausch war zu Ende, wurde Hootalinqua sowie zahlreiche andere Siedlungen am Yukon aufgegeben.

Nach einem hervorragenden Frühstück (Müsli + Milchpulver + Heiße Schoki à wie immer) paddelten wir zu der vor Hootalingua liegenden Insel „Shipyard Island“, um uns das alte Dampfschiff „Evelyn“ anzuschauen. Dieser beeindruckende, etwa 60 m lange Raddampfer diente zur Goldgräberzeit, um 1900 als Transportmittel zwischen den Städten Whitehorse und Dawson City. Selbst nach der Besichtigung war es für uns unvorstellbar, wie es möglich ist mit solch einem riesigen und schweren Schiff, einen Fluss wie den Yukon runter und vor allem wieder hoch zu fahren.

Der 23.06. war unser 15. Tag auf dem Wasser und somit die Mitte der Kanureise. Wir waren vom Rose-River ab 500km in 15 Tagen gepaddelt und hatten noch bis nach Dawson City die gleichen Kilometer in weiteren 15 Tagen zu paddeln. Ein weiteres Highlight des Tages waren die ersten Kanukollegen die wir auf dem Wasser trafen. Auf 500 Flusskilometern sahen wir keine Menschenseele, heute der Beweis, es gibt noch weitere Abenteurer.

Jeder Tag auf dem Fluss ist anders. Die Landschaft verändert sich, das Wasser ist mal blau, mal braun, mal weiß, unterschiedlichste Tiere kreuzen unseren Weg und die Zivilisation nimmt mal ab und mal zu. An unserem 17. Tag auf dem Wasser war alles anders, von diesem Tag möchte ich euch zum Schluss des zweiten Teils berichten:

Es war 4:55 Uhr, ich (Milan) schlief in der Hängematte mit Sicht auf den Yukon River, als es plötzlich laut durchs Tal schallte: „one, two, one, two….“. Ich schaute aufs Wasser und es kamen zwei große 8er Kanus an unserem Lagerplatz vorbei. Ein Tag zuvor war in Whitehorse der Yukon-River-Quest (www.yukonriverquest.com), das längste Kanu- und Kajak Rennen der Welt gestartet. Die schnellsten Boote brauchten für die rund 740 km lange Strecke nach Dawson City rund 2 Tage. Dafür müssen sie 60 Paddelschläge in der Minute machen. Um 8 Uhr stiegen wir aus dem Schlafsack und setzten uns zum Frühstücken ans Wasser. Von hier aus konnten wir alle vorbeikommenden Fahrer anfeuern und so motivieren, doch die meisten nahmen uns überhaupt nicht war. Dies war auch kein Wunder, wie wir im Nachhinein erfahren hatten, saßen sie schon seit über 20 Std. ohne Unterbrechung im Boot und paddelten nur noch wie in Trance. Die nächsten 26 km nach Carmacks paddelten wir mit dem Rennen mit. Immer wieder überholten uns Kanus und Kajaks. Als wir in Carmacks am Campground ankamen, warteten bereits viele Menschen am Ufer und jubelten uns zu. Voller Motivation rief ich ein „juhu“ heraus und alle fingen an zu klatschen. Am Campground waren wir später bekannt als die einzige Gruppe die gejubelt hatte. Eine Frau auf dem Steg signalisierte uns, dass wir hier anlegen sollten und fragte uns: „Do you need help?“ Wir wussten nicht genau wobei sie uns helfen möchte und verneinten. Wir stiegen aus dem Boot und die Frau rief: „Heavy boat, heavy boat!“ Es kamen 6 Männer, packten unser beladenes Kanu und trugen es an Land. Wir wussten nicht wie uns geschah und standen etwas benommen auf dem Steg. Wie das Boot so bekamen auch wir Hilfe um vom Steg aufs Land zu kommen. Jeweils ein Mann griff uns unter die Arme und „trug“ uns an Land. Einer der Männer, der unser Material im Boot gesehen hatte, fragte Marius: „What the fucking hell are you doing with fishing equipment?“ Die Antwort war einfach: „fishing!“. Erst nachdem wir ein paar Minuten neben unserem Boot und weiteren ca. 50 Kanus und Kajaks an Land standen und einige Fragen von verwunderten Menschen beantworten mussten, wurde uns klar wo wir gelandet waren. Hier am Campground in Carmarcks mussten alle Fahrer des Yukon-River-Quest  eine siebenstündige Zwangspause einlegen, in der sie etwas aßen und vor allem schliefen. Wir hatten also Glück, dass wir nicht zum schlafen „verdonnert“ wurden. Da wir so nett empfangen wurden, entschlossen wir uns gleiches für die Fahrer zu tun. Wir gingen auf den Steg und halfen den völlig übermüdeten Fahrern aus dem Boot zu kommen und „trugen“ abwechselt sie oder ihr Boot an Land. Plötzlich waren wir mitten im Geschehen und erlebten die unglaublich angenehme Gemeinschaft der Paddler und derer Teams. Auf dem Platz waren wir das einzige Wander-Kanu das an diesem Tag angekommen war und waren somit auch bei der Presse vor Ort bekannt. Wir kamen mit einer Reporterin aus New York, Sonja Stark, ins Gespräch (http://blog.timesunion.com/pilotgirl/mistaken-identity-on-the-yrq/1111/) und bekamen auch über sie die Möglichkeit, noch am Abend, zu den berühmt berüchtigten Five Finger Rapids zu fahren, um zu sehen wie die Teilnehmer des Rennens durch die Stromschnellen fuhren. So konnten wir uns, für unsere Durchfahrt, den richtigen Weg, die richtige Linie durch die Wellen anschauen. Erst um 3h morgens kamen wir an diesem ereignisreichen Tag ins Bett und konnten alle Ereignisse verarbeiten.

Einen 3-Teiler zum Yukon-River-Quest hat Sonja online gestellt, wenn ihr euch das Video anschauen wollt, hier ist der Link zum 1. Teil:

Advertisements

0 Responses to “2. Teil Yukontour – Goldgräber- und aktuelle Zeiten innerhalb 200km”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Kanada 2009

August 2009
M D M D F S S
« Jul   Sep »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Archive

Kategorien

Blog Stats

  • 77,356 hits

%d Bloggern gefällt das: