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Jul
09

1. Teil Yukon Tour – eintauchen in die Wildnis – erste Paddelkilometer – spektakuläre Segelerlebnisse

Am 09. Juni fuhren wir mit unserem Outfitter zum Rose River, wo wir mit viel Vorfreude bei strömendem Gewitterregen ins Boot stiegen, um unser einmonatiges Kanuabenteuer zu starten.
Nach den ersten Kilometern auf dem kleinen Rose River, einem Zufluss des Nisutlin Rivers, bauten wir unser erstes Nachtlager auf und genossen den ersten Abend in herrlicher Natur. Erst nach dem Aufbau unseres Lagers und dem ersten, auf dem Lagerfeuer gekochten Abendessen wurde uns klar, dass jetzt unser vierwöchiges Abendteuer startet.

Am nächsten Tag erreichten wir, mit ein paar Paddelschlägen, den Nisutlin, unseren Weg durch die Wildnis Kanadas für die nächsten 180 km. Der Fluss fließt gesäumt von vielen Sand und Kiesbänken durch unbewohntes Land und mündet in den Teslin Lake. An den Ufern finden sich zahlreiche zumeist verfallene Holzhütten aber auch modernere Unterkünfte für Pelzjäger die nur im Winter bewohnt werden. 

In den ersten Tage unserer Tour gewöhnten wir uns sehr schnell an unser neues Fortbewegungsmittel und konnten schnell sicher, auf dem noch durch die Schneeschmelze stark Hochwasser führenden Nisutlin, steuern und sicher anlegen. Leider waren alle Kies – und Sandbänke unter Wasser und so schlugen wir unsere Nachtlager immer im Wald oder auf hochgelegenen Uferböschungen auf.

Als erste Wildtiere sahen wir:

  • Elche – entweder im Fluss stehend oder im See Wasserpflanzen fressend
  • Biber – welche uns durch ihr lautes Klatschen mit dem Schwanz auf das Wasser (zum warnen der Artgenossen vor Menschen im Revier) fasst den Schlaf raubten
  • Hühnervögel – welche Geräusche wie ein startender Hubschrauber machen
  • Kanadagänse, sowie zahlreiche kleinen Vögel und Enten

Leider sahen wir nicht so viele Wildtiere wie wir erwartet hatten. Dies lag sicher an dem hohen Wasserstand und den dadurch fehlenden Kiesbänken, welche gerne von Tieren als „Highways“ genutzt werden. Auch das Angeln war nicht möglich. Dafür konnten wir einige alte, teilweise halbverfallene Hütten erkunden.

Nach 6 Tagen erreichten wir das Nisutlin Flussdelta. Von dort aus paddelten wir noch 12 km über einen Arm des Teslin Lakes in das kleine Örtchen Teslin. Dort mieteten wir uns in eine kleine Hütte ein, um warm zu duschen und vor allem unsere Kameraakkus wieder aufzuladen. Unser Vermieterpaar Birgit und Doug waren die ersten Menschen die wir nach einer Woche auf dem Fluss sahen und wir verbrachten einen gesprächigen Abend bei Kaffe und Wassermelone in ihrem Wohnzimmer.

An nächsten Tag, dem 15.06 starteten wir gegen Mittag auf unseren nächsten Abschnitt der Reise. Hierbei galt es eine 45 km lange Strecke auf dem Teslin Lake, einem über 80 km langem in nord-südlicher Richtung ausgerichteten schmalen Sees, zu paddeln. Da wir von mehren Quellen erfahren hatten, dass der See wegen schnell aufkommender Winde und schnell aufkommender hohen Wellen gefährlich werden kann und daher von vielen Kanureisenden gemieden wird, hofften wir auf gutes Wetter. Am ersten Tag starten wir bei gemischtem und windstillen Wetter und paddelten entlang des östlichen Seeufer. Auf dieser Seeseite verläuft der Alaska Highway und es stehen dort viele private Hütten. Daher besteht hier keine gute Möglichkeit auf einen ruhigen Camplatz, sodass wir, an einer relativ engen Stelle, den See kreuzten.

Auf der anderen Seeseite legten wir an und bauten, nach unseren lange vorher überlegten Plänen, eine Beseglung für unser Kanu. Hierzu stellten wir am Bug einen etwa 2 m hohen Mast auf und spannten diesen ab. Als Segel diente unser,  Tarp, welches in der Mitte am Mast befestigt wurde. Um das Segel breit aufspannen zu können liefen die Abspannleinen am Ende des Kanus durch Ösen und weiter über eine Querstange, die in der Mitte des Kanus quer lag und auf beiden Seiten des Bootes ca. 1m herausstanden, zum Vordermann. So war die Beseglung vom Vordermann bedienbar und im Notfall auch von diesem einholbar, ohne dass der Steuermann seine Arbeit an der Lenkung (Paddel im Wasser) aufgeben musste. Diese für den Notfall durchdachte Konstruktion sollte sich noch sehr nützlich erweisen.
Nach dem Umbau unseres Kanus zum Segelboot nutzen wir den leicht auffrischenden Wind um unser „Segelbootbauhalbwissen“ in der Praxis zu testen. Erstaunlicherweise funktionierte das Segeln, nach einigen kleinen Optimierungen der Segelabspannung, hervorragend und wir segelten mit Rückenwind bei relativ gleich bleibenden 4 – 6 km eine Strecke von 10 km. So konnten wir direkt an unseren Campplatz, einer kleinen Insel in Ufernähe, segeln. Leider war aufgrund des hohen Wasserstands im See der von uns erhoffte Sandstrand überflutet und wir verbrachten eine ungemütliche Nacht auf unebenem Boden.

Am nächsten Tag segelten wir bei regnerischem Wetter, aber mit Rückenwind, in Richtung Ausflusses des Teslin Lakes in den Teslin River. Am Nachmittag nahm der Wind, innerhalb weniger Minuten, stark zu. Wir änderten sofort unseren Kurs auf eine ins Wasser ragende Landzunge und hatten hierbei zum Glück den Wind und die schnell zunehmenden Wellen im Rücken. Der inzwischen stark angeschwollene Wind, trieb unser Segelkanu mit 12 km/h über die inzwischen an die einen Meter hohen Wellen. Als wir in die Nähe des Landes kamen nahmen die Wellen so stark zu, dass sie mehrere Male vorne in unser Boot schwappten. Milan konnte als Steuermann im Heck des Bootes, das Steuerpaddel kaum mehr halten. Jetzt wurde es Zeit unser, im Kopf zuvor durchdachtes, „Worse-Case-Szenario“ in der Praxis zu testen. Während Milan das Boot so gut wie möglich in den Wellen auf Kurs hielt, holte ich (Marius) das Segel ein, indem ich alle Segelabspannung löste und das Segel am Masten befestigte, sodass es dem Wind keine Angriffsfläche mehr bot. Mit voller Kraft paddelten wir gemeinsam in Richtung Ufer und nach einigem Suchen fanden wir einen kleinen Kiesstrand, an einer unbewohnten Trapperhütte, an dem wir anlegten konnten. Erschöpft und von Wasser und Schweiß durchnässt machten wir es uns bei einer heißen Schokolade unter dem Vordach der Hütte gemütlich und schnauften erstmal kräftig durch.

30 Minuten nach unserer Ankunft war der ganze Wetterspuk vorbei und der See lag flach wie ein Spiegel vor uns und bei herrlichem Sonnenwetter verbrachten wir einen wunderbaren Abend.

Am nächsten Mittag beendeten wir unseren zweiten Reiseabschnitt, indem wir halb segelnd und paddelnd, völlig unspektakulär, das Ende des Teslin Lakes erreichten. Der hier aus dem See entstehende Teslin River sollte unser Reiseweg für die nächsten 200 km sein. Bevor wir aber auf dem Fluss starteten, genehmigten wir uns noch eine kurze Pause in Johnson Crossing, einem kleinen Nest direkt an der Brücke des Alaska Highways die über den Teslin River führt und verspeisten eine hervorragende warme Zimthefeschnecke.

Unsere bisherige Reise verlief über den Rose River, den Nisutlin River über den Teslin Lake zum Beginn des Teslin Rivers bei Johnson Crossing. In neun Tagen legten wir eine Strecke von 250 km zurück von denen wir etwa 35 km segelten.

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3 Responses to “1. Teil Yukon Tour – eintauchen in die Wildnis – erste Paddelkilometer – spektakuläre Segelerlebnisse”


  1. 1 Kathrin
    21. Juli 2009 um 21:44

    Juhuu, endlich bekommt man mal mit, was ihr da eigentlich so erlebt in Kanada. Sehr geile Idee mit dem Segel. Nur klar, dass das so nix wurde mit den Popey-Oberarmen.

    Grüßle aus dem heißen Freiburg
    von Kathrin

    P.S. der Freiburger Fanclub wartet ungeduldig auf die neue Waldi-Folge!!!

  2. 2 Stähle Jochen
    26. Juli 2009 um 17:54

    Respekt, ich bin ja nun schon viele Bäche gepaddelt! GEPADDELT!!! – aber so was ist mir da noch nicht begegnet – coole Idee – hat´s euch nicht umgeworfen?!?!? …kann ich ja fast nich glauben! 🙂
    Mal gespannt, wie die Konstruktion aussieht, mit der ihr dann nach Deutschland zurücksegelt!

    Wünsche euch entspannte Tage – bei uns hier ist nun auch Urlaubszeit; viele waren und manche gehen noch – ich freue mich noch drauf….

    …und wenn ich mal ganz viel Zeit habe, dann bau ich euere Konstruktion nach – tzzz, auf welche Ideen man kommen kann, wenn man sonst nix zu tun hat.

    Greetings, Jochen

  3. 3 Fabian
    4. August 2009 um 13:27

    Genial… Euer Segel, einfach genial 🙂


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